BÜCHER

Das Opfer ist der neue Held

Opfer erzählen eine kraftvolle Geschichte über Gut und Böse. In unübersichtlichen Zeiten wie heute verleihen sie moralische Orientierung. Die Aufmerksamkeit für Benachteiligte nutzen aber auch Menschen, die gar nicht hilflos sind. Diese neuen Opfer ersetzen Dialog durch Empörung, Fakten durch Bauchgefühle. Sie geben sich als Verteidiger moralischer Normen, brechen sie aber ständig selbst. Ihren wachsenden Einfluss nutzen sie allein für sich, wirklich Machtlose gehen leer aus. Dabei liegen die wahren Ursachen, weshalb wir uns ohnmächtig, benachteiligt oder bedroht fühlen, meist nicht im Hier und Jetzt, sondern in unserer Kindheit. Schauen wir sie uns an.


„Lohre deutet die zunehmende Empfindsamkeit unserer Gesellschaft als Ausdruck der Orientierungslosigkeit, die nach klaren Fronten verlangt, und genau das biete die Einteilung der Welt in Täter und Opfer. (...) Aufschlussreich zeigt der Autor (...) auf, wie die Figur des Wehrlosen innert weniger Jahrzehnte eine steile Karriere hingelegt hat.“  Tages-Anzeiger

Das Erbe der Kriegsenkel

In Millionen Deutschen tobt noch heute der Zweite Weltkrieg. Denn wer als Kind Nazi-Drill, Todesängste und Vertreibung erfuhr, den lassen die Erfahrungen nicht mehr los. An meinem Beispiel erzähle ich, wie sich die Seelennöte der Kriegskinder in ihren Töchtern und Söhnen fortgepflanzt haben: den Kriegsenkeln. Die etwa zwischen 1955 und 1975 Geborenen leiden unter mangelndem Selbstwertgefühl, Schuldgefühlen und diffuser Angst. Sie sind geprägt durch eine Katastrophe, die sie nicht erlebt, aber zu spüren bekommen haben. Heute bietet sich ihnen die letzte Chance, die Seelentrümmer ihrer Vergangenheit aufzuspüren und inneren Frieden zu finden. Das Erbe der Kriegsenkel wurde 2016 zum SPIEGEL-Bestseller. 

 

„Ein sehr persönliches Buch. (...) Entschuldigen will Lohre nichts. (…) Wohl aber zeigen, dass Geschichte nichts ist, was sich mit der nächsten Generation erledigt, sondern über Jahrzehnte – auch ungesagt – weitergegeben wird und uns prägt.“ Deutschlandfunk Kultur

Der Film-Verführer

Ein Kino-Abend ist wie ein Lügendetektor-Test. Unsere Lieblingsfilme sagen mehr über uns aus, als wir gern preisgeben. Sie verraten unsere verborgenen Sehnsüchte, verdrängten Ängste und größten Hoffnungen. Schauen wir genauer hin, verstehen wir: Das Beängstigendste an Alien ist unser Unbewusstes, Terminator II erzählt sensibel von der Sehnsucht eines Jungen nach einem Vater, und in Frühstück bei Tiffany versucht eine junge Frau, ihren Traumata zu entfliehen. 

 

„Lohre liefert überraschende, mit Fachwissen untermauerte Filminterpretationen; erklärt, wie unterschiedlich Frauen und Männer Filme rezipieren und klärt so manches Missverständnis auf.“ WDR 5

Milde Kerle

Männer sind heute so verwirrt, wie Frauen es längst sind. Sie sollen stürmisch im Bett sein, aber auch rücksichtsvoll und zärtlich. Sie sollen ein ganzer Kerl sein, aber die richtigen Windeln kaufen. Ein Ruhepol, aber kein großer Schweiger. Eine starke Schulter, aber kein Macho. Sensibel, aber bitte nicht so empfindlich. Gut aussehend, aber bloß nicht eitel. Anhand einer Woche dekliniere ich die widerstreitenden Anforderungen an milde Kerle durch.

 

„Schlau erkannt, souverän argumentiert und amüsant aufgeschrieben: Sollte Mister Lohre etwa der perfekte Mann sein?“ Petra

LEBEN

Geschichten und Geschichte faszinieren mich. Ich will verstehen, wie Ereignisse zustande kommen, sich anfühlen, welche Folgen sie haben und wie sie sich in Worte fassen lassen. Deshalb schreibe ich.

Das nötige Handwerkszeug lernte ich unter anderem beim Geschichts- und Anglistik-Studium an der Universität zu Köln, bei mehrmonatigen Aufenthalten in den USA und China, durch die Redakteursausbildung an der Berliner Journalisten-Schule, als Mitgründer des Journalistenbüros Freie Redaktion in Berlin, in mehr als neun Jahren als Reporter, Parlamentskorrespondent und Kolumnist der tageszeitung und als Autor historischer Rekonstruktionen für Geo Epoche, P.M. History und Zeit Geschichte. Für die Arbeit an meinem 2021 erscheinenden Roman erhielt ich 2018 ein Literatur-Stipendium des Berliner Senats.